Wie viele Menschen fanden am Galgen in Günterstal den Tod?

Vermutlich kein einziger. Denn der Galgen, den die Günterstäler Zisterzienserinnen am 24. April 1747 errichten ließen, diente wohl weniger der Vollstreckung von Todesurteilen als vielmehr einer Demonstration ihrer Macht.

Seit Jahrhunderten stritten sich das Kloster Günterstal und die Stadt Freiburg um Grundstücke, Grenzverläufe und Hoheitsrechte. Mit landesherrlicher Genehmigung ließen die Nonnen schließlich am Wonnhalde-Eck, unmittelbar an der Grenze zum Freiburger Stadtgebiet, einen Galgen aufstellen. Damit wollten sie unmissverständlich zeigen: Wir haben unsere eigene Gerichtsbarkeit!

Der Freiburger Magistrat empfand dies als handfeste Provokation und ließ nicht lange auf eine Antwort warten. Bereits am 10. Mai 1747, nur gut zwei Wochen nach seiner Errichtung, stürzten die Freiburger den Galgen um, verbrannten ihn und zerstörten obendrein die neu gesetzten Grenzsteine.

Dass an diesem Galgen jemals ein Mensch hingerichtet wurde, ist nicht überliefert und angesichts seiner kurzen Existenz äußerst unwahrscheinlich.

Die Geschichte ging als Teil des sogenannten „Kuh- und Galgenkriegs“ in die lokale Überlieferung ein – eines von vielen ebenso erbitterten wie aus heutiger Sicht kuriosen Kapiteln im jahrhundertelangen Streit zwischen dem Kloster Günterstal und der Stadt Freiburg.

Weitere Einzelheiten:
Karin Groll-Jörger, Günterstal Band I, Von der Säkularisation bis zur Eingemeindung (1806-1890), Lavori 2013; hier inbesondere die Seiten 41 und 42.
Karin Groll-Jörger, Günterstal und seine Matten im Spiegel der Geschichte, Lavori Verlag 2016.